Leserbrief der Woche | 16.03.07

Leserbriefe sind etwas vom Unterhaltsamsten, was die Medien zu bieten haben. Und solange es noch auf Papier gedruckte Publikationen gibt, muss man auch nicht umständlich unzählige private Weblogs durchforsten, um auf die skurrilen Äusserungen jener Gattung des Menschengeschlechts zu stossen, die 1. von sich auf alle anderen schliessen, 2. dies nicht für sich behalten können und 3. meistens schlecht drauf sind. Wie zum Beispiel Herr Schrenk aus L., der in der aktuellen Ausgabe des Pro Natura Magazins die Resultate seiner empirischen Grundlagenforschung vorstellt («Mich stören die vielen leeren, weissen Flächen auf einzelnen Seiten. Dies beispielsweise beim Magazin Nr. 5/2006 auf den Seiten 9, 10, 12, 15, 17, 19, 22, 25 und so weiter.»).

Und wie so häufig in der Wissenschaft (so zum Beispiel im Fall von Penicillin) half auch hier der Zufall, Grosses zu entdecken: Auf seiner ursprünglichen Suche nach störenden weissen Flächen wurde Herr Schrenk im besagten Magazin Nr. 5/2006 darauf aufmerksam, dass auf zahlreichen Seiten die Seitenzahlen fehlten. Blitzschnell schaltete es dem Leerflächenforscher, dass solche fehlenden Seitenzahlen nicht nur seinen Forschungsaufwand vergrösserten, sondern regelrecht an den Grundwerten unseres westlichen Weltbildes rüttelt. Und zwar kräftig:

leserbrief_pronatura.jpg

--
Publikation der Forschungsresulate:
Schrenk, K. (2007): Zu viel Leere. In: Pro Natura Magazin 10, Nr. 1, S.7.

--
tobistar.com: Amüsanter Einblick ins TA-Forum


Tags: leserbrief medien presse sprache

---
TrackBack
icon-attribution.png icon-noncommercial.png icon-sharealike.png
Beim Übernehmen von Inhalten unbedingt die Creative Commons Lizenz beachten.
TrackBack hat leider vor dem bösen Spam kapitulieren müssen.

Kommentare
«There's nothing more surprising and enjoyable than getting a comment on your blog.»

Zu deiner Beruhigung Tobi: Das Genre Blog unterscheidet sich vom Genre Leserbrief à la Schrenk doch ab und zu (v.a. an guten Tagen):

1. Der primäre Adressat ist nicht zwingend auch Verursacher des Ärgernisses
2. Blogger sind meist nicht ganz so masochistisch veranlagt wie Leserbriefredakteure. Sie berichten ab und an auch über nicht gegen sie gerichtete Meldungen.
3. Bei Blogs gehts mehr um Mit- als Austeilung
4. Betreffend Seriosität, Relevanz und Genauigkeit gewinnen selbstverständlich die tugendhaften, unersetzlichen Leserbriefler. Es geht hier um die Grundwerte entwickelter Länder, wenn ich bitten darf...
5. Und lustig finden die es im Gegensatz zu den Bloggern also gar nicht, nie, zu keiner Zeit (siehe 4.)

Schade, eigentlich. Eine Prise Ironie, ein Spritzerl Sarkasmus und sie wären die Meister der Kolumnen. Nicht dass sie auch so Recht hätten, natürlich.

Kommentar von: Lea at 16.03.07 17:23
Diesen Eintrag kommentieren









Persönliche Informationen speichern?