Wissen teilen. Heute: Der Tubelapostroph gestern und heute | 13.03.08

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Richi's Snack-Bar. Aktions-CD's. Pappa's Tasse: Sie verfolgen uns, sie quälen uns. An Strassenecken, in Kleinanzeigen. In SMS und auf Zeitungspapier. Doch was vermeintlich für ein Phänomen des lässigen und oft zu unrecht diagnostizierten laissez-faire unseres Zeitalters gehalten werden könnte, war früher bereits Usus. Apostrophe, wo keine Apostophe hingehören, gab es bereits im 19. Jahrhundert. Zum Beispiel: In der NZZ vom 1. Januar 1868.

«Von den vielen, die heute einen ernsten Blick in die Zukunft werfen, sind gewiss Alle einig, dass die Lage Europa’s eine bedenkliche sei; und doch muss bei näherm Nachdenken Jedem klar werden, dass die befürchteten Katastrophen weniger eine Konsequenz der Dinge als der Tagesmeinungen seien – mit anderen Worten: Die Menschen wollen es so haben.»

Oder am 1. Februar 1870:

«Die Einwürfe gegen die Inventarisation sind sehr schwacher Natur. Man sage, bemerkt der Redner, dass die amtliche Inventarisation ein Eingriff in’s Hausrecht, dass sie unrepublikanisch und eines freien Bürgers unwürdig sei. Aber es sei auch unrepublikanisch und eines freien Bürgers unwürdig, sein Vermögen nicht voll und ganz zu versteuern.»


Doch der NZZ ist kein Vorwurf zu machen, denn erst in der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901 wurde die Verwendung des Apostrophen vor dem Genitiv-s für normwidrig erklärt (wiki). Was heisst: Genau 107 Jahre hatten wir Einwohner des deutschen Sprachraumes Zeit, uns umzustellen. Und noch immer habens nicht alle kapiert.


-- Mehr:
- Tubelapostroph-Kompetenzzentrum Basel - I, II, III
- Apostrophitis (Wikipedia)
- Apo'strophen-Alarm
- Rettet den Apostroph

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Tags: sprache

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Kommentare
«There's nothing more surprising and enjoyable than getting a comment on your blog.»

dank deinen links (link's) und einigen weiteren klicks (...) rausgefunden: ich bin sms-klemper!!! ;)

Kommentar von: hg at 14.03.08 10:48
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